Quelle: www.wdr.de / Servicezeit Gesundheit

Angstpatienten beim Zahnarzt

Von Monika Geisler

Für viele Menschen ist der Zahnarztbesuch eine Horrorvision. Mindestens jeder fünfte Erwachsene – das betrifft Männer wie Frauen gleichermaßen – gehören jedoch zu den so genannten Angstpatienten.

Dabei unterscheidet man Zahnbehandlungsangst von Zahnbehandlungsphobie. Die Zahnbehandlungsangst ist ein starkes, aber nicht krankhaftes Gefühl, das bei einer vermeintlichen oder tatsächlichen Bedrohung im Zusammenhang mit einer Zahnbehandlung auftritt. Es kann sich psychisch und körperlich äußern.

Die Grenze zwischen Angst und Phobie verläuft fließend. Die Phobie zeichnet sich dadurch aus, dass der Patient einen notwendigen Zahnarztbesuch vollkommen vermeidet. Die entwickelte Angst steht in keiner Relation mehr zu dem, was ihn tatsächlich im Behandlungszimmer erwartet. Und auch Erlebnisse, die nur entfernt an einen Zahnarztbesuch erinnern, lösen heftige Angst aus (zum Beispiel spezielle Geräusche oder der Anblick von Bohrern).


Wie entsteht eine Phobie?

Die häufigste Ursache für sehr große Angst vor dem Zahnarzt sind traumatische Erlebnisse bei früheren Zahnarztbesuchen.

Viele Patienten sind unsicher, weil sie nicht wissen, ob und wie stark sie Schmerzen ertragen müssen. Das führt zu einer Erwartungsangst. Sie ist ganz unabhängig davon, ob es wahrscheinlich ist, dass dieses Mal Schmerzen zu erwarten sind.

Die Theorie des Modelllernens besagt, dass nicht nur eigene schmerzhafte Zahnbehandlungen in der Vergangenheit Angst auslösen, sondern auch Erzählungen über schreckliche Zahnarztbesuche von anderen Patienten.

Auch der Verlust der Selbstkontrolle und das Ausgeliefertsein während der Behandlung kann Angstgefühle auslösen.


Diagnose von Zahnbehandlungsangst

Die Diagnose umfasst die Beobachtung aller drei biologischen Ebenen der Angst:

  1. Körperliche Reaktionen
  2. Verhalten
  3. Psychische Prozesse

Wichtigste Voraussetzung bei der Befragung und Untersuchung des Patienten ist, dass der Arzt die Angst ernst nimmt. Ist das der Fall, bringt ein sorgfältiges Gespräch oft die entscheidenden Informationen für die Diagnose.


Behandlung

1. Anxiolytische (angstmindernde) Verfahren:

Medikamente
Bei der Prämedikation werden Medikamente im Vorfeld eingenommen. Bei der Sedierung wird der Patient während des Eingriffs ruhig gestellt.


Psychotherapeutische Intervention
Der Patient wird im Vorfeld behandelt, um eine grundsätzliche Verminderung der Zahnbehandlungsangst zu erreichen.


Hypnose
Mit Hilfe der Hypnose versucht der Arzt Beschwerden oder Ängste durch Entspannung oder Trance zu „beeinflussen“ und zu vertreiben. Allerdings sind manche Menschen schwer hypnotisierbar.


2. Schmerzreduzierende Verfahren:

Medikamente
Mit Lokalanästhesie wird der Patient teilweise schmerzunempfindlich gemacht. Er ist dabei bei vollem Bewusstsein. Bei der Analgosedierung wird der Patient in einen kurzen Tiefschlaf versetzt und ist in dieser Zeit ohne Bewusstsein.


TENS
Bei der Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation wird das Gehirn durch elektrische Reize „irritiert“. Die Muskeln sollen entspannen, und Schmerzen werden weniger stark wahrgenommen.

Akupunktur
Durch professionelles Setzen von Nadeln kann der Schmerz gelindert werden und bestenfalls sogar der Schmerzkreislauf unterbrochen werden.


Kosten
Die meisten dieser Behandlungsmethoden werden weder von den gesetzlichen noch von den privaten Krankenkassen übernommen. Daher empfiehlt es sich, im Vorfeld einen Heil- und Kostenplan erstellen zu lassen. Eine Hypnosebehandlung kostet zum Beispiel um die 150 Euro.




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